Wer an Japan denkt dem fallen sofort die Bilder aus überfüllten Zügen und Aufnahmen der berühmten „Alle-gehen-Kreuzung“ vor dem Bahnhof Shibuya in Tokio ein. Aber Japan ist auch ein Land voller Tradition und Ruhe welche sich in der Kunst der Bonsaizucht oder auch der Zen-Meditationen zeigt.

Entspannung ist für die Japaner ein Stück Kulturgut und daraus hat sich auch die Shiatsu-Massage entwickelt.  Shiatsu, das ist eigentlich viel mehr als eine Massage, sondern eine ganz eigene Form der energetischen Körperarbeit welche hauptsächlich mit den Fingern durchgeführt wird. Übersetzt bedeutet Shiatsu auch „Fingerdruck“.

Traditionelle chinesische Medizin: Der Weg zur Shiatsu-Massage

Schon vor tausenden Jahren praktizierte man in China Tao-Yin oder auch Taoist Yoga genannt. Unter Tao-Yin verstand man einer Reihe von Übungen die hauptsächlich im Liegen und im Stehen aber auch teilweise im Stehen durchgeführt hat. Ziel dieser Übungen war es Qi im Körper anzusammeln. Unter dem Qi versteht man nach der traditionellen chinesischen Medizin die Energie des Körpers.

Nach der Auffassung der traditionellen chinesischen Medizin fließt dieses Qi durch die Meridiane. Diese Meridiane sind als Energiebahnen zu verstehen. Speziell bei der Akupunktur werden diese Meridiane getroffen aber auch die Shiatsu-Massage zielt auf die Meridiane und übt mit den Fingern Druck auf diese aus.

Im Laufe der Zeit wurden diese Übungen und Konzepte auch nach Japan vermittelt und dort entwickelte sich aus den Grundlagen des Tao-Yin die japanische Form, das Shiatsu.

Ausschlaggebend für die Verbreitung und Entwicklung der Shiatsu-Massage in Japan sind Tokujiro Namikoshi und Shizuto Masunaga.

1925 wurde vom Begründer des Shiatsu, Tokujiro Namikoshi, das erste Shiatsu-Therapie-Studio eröffnet. Durch seine Lehren die er unter anderen an Shizuto Masunaga weitergab wurde Shiatsu und speziell die Shiatsu-Massage über Japan bis in die ganze Welt bekannt.

Während Shiatsu in Japan besonders zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen verwendet wird und dort auch als Behandlungsmethode vom Staat anerkannt wird Shiatsu im Westen und vornehmlich in Europa und in den USA mehr als Massage zur Entspannung wahrgenommen.

Wann wird die Shiatsu-Massage angewendet

Eine Shiatsu-Massage ist weit mehr als eine normale Massage. Natürlich ist auch bei dieser Ziel Verspannungen und Blockaden zu lösen, Muskeln zu lockern und Gelenke und Bänder zu stärken aber die Shiatsu-Massage kann auch

  • Stress reduzieren und entspannend wirken
  • Den Energiehaushalt des Körpers harmonisieren
  • Die Selbstheilungskräfte fördern
  • Wohlbefinden, Lebensqualität und Gesundheit steigern.

Bei einer Shiatsu Anwendung achtet der Shiatu-PraktikerInn darauf, welche energetische Grundlage ein Mensch hat und schätzt dabei auch seine emotionale, körperliche aber auch geistige und soziale Verfassung ein. Dadurch kann eine Erkrankung, Belastung oder auch Verspannung erkannt werden und diese ganzheitlich auf den gesamten Körper bezogen behandelt werden.

Daher ist jede Shiatsu-Behandlung unterschiedlich da der praktizierende Therapeut an den sogenannten energetischen Mustern des Patienten orientiert und der physischen Struktur folgt.

Für wen ist eine Shiatsu-Massage geeignet

Eine Shiatsu-Massage ist für Menschen jeden Alters geeignet. Durch das persönliche Gespräch und die Ausbildung der Shiatsu-Therapeuten kann während der Massage auf jedes Gebrechen, Problem oder Behinderung eingegangen werden. Daher ist Shiatsu in jedem Alter möglich, bei kranken Menschen, sehr alten oder gebrechlichen und auch bei Schwangeren.

Durch die Nähe zum Geist und zum energetischen Zustand der Menschen ist eine Shiatsu-Massage auch für Menschen geeignet die zum Beispiel persönlichen oder beruflichen Veränderungen gegenüberstehen, im Alltag unter starkem Stress stehen oder zur Behandlung nach einem Burnout oder Nervenzusammenbruch.

Auch Personen die ihren eigenen Körper und Geist erforschen möchten und besser verstehen sowie greifbar machen möchten wird zu einer Shiatsu-Massage geraten.

Da Shiatsu den Selbstheilungsprozess fördert und aktiviert wird Shiatsu nicht nur bei muskulären Problemen eingesetzt, sondern wird immer öfters zur Behandlung von Magen-Darm Beschwerden oder Stresssymptomen wie Schlafstörungen oder nervösen Zuckungen empfohlen.

Wie läuft eine Shiatsu-Massage ab

Shiatsu beginnt noch vor der eigentlichen Massage und jeder gute Shiatsu-Therapeut wird bei einem ersten Gespräch versuchen die Person vor ihr kennen zu lernen. Dieses Gespräch hilft dabei zu verstehen welche Probleme vorhanden sind und wodurch diese entstehen.

Die eigentliche Massage wird wie eingangs erwähnt meistens liegend oder sitzend, nur selten stehend durchgeführt.

Da die Haut nicht massiert wird ist die Verwendung von Massageölen nicht notwendig und die Behandlung erfolgt meistens auch nicht entkleidet. Es empfehlen sich eine leichte und dünne Sportbekleidung oder andere bequeme Kleidungsstücke.

Die eigentliche Massage wird oft auf einer dünnen aber weichen Matte am Boden durchgeführt auf die sich der Behandelnde legt.

Die Shiatsu-Massage erfolgt sehr achtsam und sanft. Der Druck wird gezielt und konkret angewendet und wird so intensiver wahrgenommen. Keine Behandlung verläuft nach Schema-F sondern ist abhängig von der jeweiligen Person, dem Therapeuten und die jeweiligen Reaktionen während der Behandlung. Die Massage wird in unterschiedlichen Positionen und in einem unterschiedlichen Tempo sowie Intensität durchgeführt.

Der Druck der mit den Fingern ausgeübt wird bezeichnet man auch als Akupressur.

Obwohl man bereits während der ersten Behandlung Veränderungen im eigenen Körper aber auch im Geist und im Energiefluss des eigenen Körpers bemerken wird empfiehlt sich eine Shiatsu-Massage wiederholen zu lassen und wenn möglich zu einem regelmäßigen Zeitpunkt zu wiederholen. So können sich Veränderungen nachhaltig etablieren und Beschwerden kontinuierlich abgebaut werden.

Kann man Shiatsu lernen?

Shiatsu ist weit mehr als eine simple Massage, sondern eine Therapie und ein Lebensgefühl dass sich seit Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelt. Dementsprechend sollte man eine Shiatsu-Massage nur von anerkannten PraktikerInnen durchführen lassen.

Eine Ausbildung in einer Shiatsu-Schule in Deutschland umfasst mindestens 500 Unterrichtseinheiten über den Zeitraum von drei Jahren. Um letztendlich anerkannt zu werden muss man eine schriftliche und eine praktische Prüfung erfolgreich ablegen.

Auch Weiterbildungen müssen nachgewiesen werden und regelmäßiges Praktizieren ist Pflicht.

Eine Shiatsu-Massage ist also etwas bei dem man sich in geübte und geschulte Hände begeben sollte und besonders dann ist diese Art der Massage und gleichermaßen Therapie besonders entspannend und belebend zugleich.

Abschließende Worte zur Shiatsu-Massage

Wer vielleicht über eine Werbung oder einen Flyer auf eine Shiatsu-Massage aufmerksam geworden ist wird dabei wohl eher an eine übliche Massage im östlichen Stil gedacht haben. Hoffentlich hat dieser Artikel dazu beigetragen zu verstehen was tatsächlich hinter Shiatsu steht und wieso diese energetische Körperarbeit so viel mehr als nur eine Massage ist. Shiatsu bedeutet seinen Körper zu verstehen, zu spüren und auf eine Entdeckungsreise im eigenen Körper zu gehen. Shiatsu ist also für jeden mit Sicherheit eine Bereicherung und eine einzigartige Erfahrung.